Freilichtbühne Twiste – ein Familienunternehmen der ganz anderen Art


Jeder interessierte Zuschauer erhält an der Eintrittskasse der Freilichtbühne Twiste mit seiner Eintrittskarte ein Programmheft mit der Besetzungsliste der Stücke. Wer sich dann bei der Aufführung diese Besetzungsliste aufmerksam anschaut, wird verwundert feststellen, daß viele Familiennamen der Darsteller zwei-, drei-, vier- oder sogar fünfmal auftauchen. Das liegt nun nicht daran, daß Twiste nur von einigen wenigen Sippen gleichen Namens bevölkert wird, sondern daß das Hobby „Freilichtbühne“ wirklich eine Möglichkeit für die ganze Familie ist, sich zu engagieren. Je nach Besetzungseinteilung stehen manchmal ganze Familien auf der Bühne.

Das kann zum Beispiel so aussehen:
Die jungen Hauptdarsteller im Kinderstück sind nicht alleine, der eine wird von Vater, Mutter und zwei Schwestern auf der Bühne unterstützt, der zweite von Mutter und dem kleinen Bruder, der Vater und der große Bruder sind im Abendstück aktiv.
Dann sind noch mehrere weitere Familien komplett vertreten: der eine Hauptdarsteller im Kinderstück wird von seiner Frau und zwei Kindern im Kindergartenalter begleitet, im Abendstück sind zwei Familien mit jeweils Vater, Mutter und zwei Kindern aktiv und nicht zuletzt bringt der Hauptkassierer bei jeder Aufführung seine Frau und zwei Söhne mit ins Ensemble.

Auch viele andere Spieler und Spielerinnen kommen im Sammelpack zu den Proben und Aufführungen, entweder die ganze Kinderschar einer Familie oder ein Elternteil mit Nachwuchs – auf jeden Fall sehr oft drei oder vier Personen!

Schaut man dann noch auf die vielen Mitwirkenden hinter den Kulissen, die ihre Arbeit meist im Verborgenen leisten und nicht im Rampenlicht stehen, finden sich hier noch viel mehr Familien zusammen. Sei es als Verantwortlicher für die Bühnentechnik, Beleuchter, Kostümschneiderin oder Friseurin, beim Schminken der Darsteller, Verkauf der lebensnotwendigen Leckereien in den Pausen, als Kassierer oder beim Bau der Kulissen oder Requisiten – hier findet jeder, der sich engagieren möchte, eine Tätigkeit bei der er seine Fähigkeiten voll ausspielen kann.

Will man die ganze Aufteilung in nüchterne Zahlen fassen, so werden über 50 der aktiven Mitglieder von einem Dutzend Familien gestellt. Doch diese Sichtweise wird dem wirklichen Leben auf der Freilichtbühne nicht gerecht.

Der wirkliche Grund, warum sich die über 150 bei allen möglichen Aufgaben Mitwirkenden bei diesem Hobby wohlfühlen, ist eine nur als familiär zu bezeichnende Atmosphäre.
Die Ursache, warum jeder zu dem Verein gekommen ist, mag völlig unterschiedlich sein: manche Kinder sind durch die langjährige Mitwirkung der Eltern wie selbstverständlich mit „der Bühne“ aufgewachsen; andere haben sich durch Freunde oder allein durchs Zuschauen animiert gefühlt, mitzumachen und dann die Eltern und Geschwister und manchmal auch Großeltern mitgebracht. Viele Lebenspartner von Mitgliedern sind mehr oder weniger freiwillig in den Verein aufgenommen worden und gern dabei geblieben.

Das Hobby „Freilichtbühne“ ist mehr als eine Freizeitbeschäftigung, die je nach Lust und Laune nebenher ausgeführt wird. Für die meisten Akteure ist es zu einem festen Bestandteil ihres Lebens geworden.

Dies ergibt sich schon allein aus dem Zeitaufwand, den jeder für seine Tätigkeit aufbringen muß: für die aktiven Schauspieler sind von Januar bis Juni mindestens zwei feste Probentermine in der Woche angesagt. Oft kommen dann noch Gesangs-, Choreographie- oder Action-Proben dazu.
Auch die Werker hinter den Kulissen haben nicht weniger zu tun: der Aufwand für das Schreiben von Texten, Komposition und Einspielen der Musiktracks, die Erstellung und Ausführung von Werbekonzepten, das Schneidern von Kostümen, Entwerfen der Masken, Bau von Kulissen und Requisiten sowie die übergreifenden organisatorischen Aufgaben nimmt viel Zeit im Monat in Anspruch, die nur mit einem besonderen Sinn für Idealismus – und selbstverständlich unentgeltlich – geleistet werden können.

Dazu kommen dann noch die Aufführungen, die im Sommer bis zu zwölf Wochenenden belegen. Hier ist allerdings durch die doppelte Besetzung der Rollen die Möglichkeit für eine Urlaubsreise oder eine kurze Auszeit immer gegeben.

Das alles macht wohl klar, daß es für Aktive mit Familie eigentlich nur möglich ist ihrem Hobby nachzugehen, wenn zumindest ein Teil der Familie mitzieht.
Dann haben alle ein gemeinsames Thema, über das natürlich auch zu Hause immer wieder geredet wird, einen gemeinsamen Weg zur Waldbühne – ob per Auto, mit dem Rad oder als Wanderung bleibt jedem selbst überlassen – und eine gemeinsame Aufgabe.

Die einzelnen Rollen können von den Kindern zusammen mit den Eltern oder Geschwistern gelernt und gestaltet werden, Handwerkliches und Organisatorisches wird gemeinsam erledigt – und das große Ziel ist natürlich für alle das gleiche: Die Aufführungen des Stückes möglichst gut, mit viel Applaus von den Zuschauern und guten Kritiken in der Presse über die Bühne zu bringen.

Für die Kinder und Jugendlichen ist die Freilichtbühne und der Verein ein angenehmes Umfeld, weil so gut wie keine Barrieren zwischen Generationen bestehen. Alle Altersgruppen von 3 bis 60 Jahren sind etwa gleich stark vertreten. Bei der Besetzung der Rollen kommt es nicht selten vor, daß zwei Spieler im Alter von dreizehn und dreiundvierzig Jahren sich eine Rolle teilen, und die Arbeiten hinter den Kulissen werden ohnehin von Akteuren jeden Alters gemeinsam erledigt.
So können die Jüngeren von der Erfahrung der Älteren profitieren und hören sich gern die Geschichten an, die mit: „……bei dem Stück…..damals, da haben wir mal….“   beginnen. Genau so können sich aber auch die Älteren von der Kreativität und der