Maske


Ein nachdenklicher Schauspieler hat einmal das Wort geprägt: „Wenn der Vorhang aufgeht, ist nichts mehr zwischen dir und dem Publikum als eine dünne Puderschicht!“
Dieser Satz trifft für die Spieler unserer Freilichtbühne nicht ganz zu – es ist kein Vorhang da, der aufgehen könnte! Wer also aus den Kulissen auftritt, zeigt dem Publikum sofort sein Gesicht.
Damit dieses Gesicht auch wirklich die dargestellte Rolle wiedergibt, sind vor jeder Vorstellung vier bis sechs Mitglieder des Schminkteams emsig bemüht, die Charaktere den Schauspielern „auf den Leib zu malen“.
Dabei kann diese verantwortungsvolle Aufgabe ganz unterschiedlich sein.
Angefangen von einem einfachen Make-up mit Puder, das verhindert, dass die Gesichter im hellen Scheinwerferlicht zu sehr glänzen, bis hin zu aufwändigen Charakter- oder Tiermasken ist alles vertreten.
Die Verantwortlichen des Schmink-Teams ziehen während der laufenden Probensaison die Rollenbücher und einige Fachliteratur mit Vorlagen zu Rate, um festzulegen, wie die Erscheinung der Spieler – insbesondere der Gesichter – aussehen sollen. Dabei ist oft eine enge Zusammenarbeit mit der Requisite und den Kostümexperten notwendig, da nicht selten diese drei Bereiche ineinander übergehen.
Steht das gewünschte Aussehen der Maske fest, werden einige „freiwillige“ Spieler zum Probeschminken gebeten. Dann werden die vorher theoretisch geplanten Maskenbildner-Ideen in der Praxis ausprobiert: Farben werden aufgetragen, Falten und Bartstoppeln nachgezeichnet, „Anbauteile“ wie Bärte, Fingernägel oder Nasen / Ohren / Schnäbel angeklebt und zu guter Letzt eine Perücke angebracht. Das Ergebnis wird von mehreren kritischen Augen begutachtet, immer wieder geändert bis alle rundum zufrieden sind. Die fertige Maske wird dann fotografiert und das Bild zusammen mit einer Beschreibung als Vorlage für den Routinebetrieb bei den Aufführungen archiviert.
Nach der Besetzungsliste wird ein Schminkplan erstellt, wann sich welcher Spieler an den Spielterminen in der Maske einzufinden hat.
Damit sind die meisten Vorbereitungen getroffen. Der Stress für die Maskenbildner beginnt dann erst ca. zwei Stunden vor jeder Aufführung.
Dann gilt es, bis zu 50 große und kleine Spielerinnen und Spieler für die Aufführung vorzubereiten. Jetzt müssen die Aufgaben genau verteilt sein – eine Maskenbildnerin beschäftigt sich z.B. mit einer sehr aufwändig zu schminkenden Tierfigur (wobei hier das Schminken einer Maske bis zu einer halben Stunde dauern kann), andere schminken fast wie am Fließband ganze Tierherden und Räuberbanden. Bei den etwas beengten Platzverhältnissen im Schminkraum muss dann noch aufgepasst werden, dass kein kleines Mäuschen unter die Räder kommt….
Ist der große Ansturm bezwungen und die Aufführung hat begonnen, haben die Aktiven im Schminkraum noch lange keine Ruhe. Bei einigen Inszenierungen ist es notwendig, während der Vorstellung die Maske noch zu verändern (ein blaues Auge ist da noch ein einfacher Fall!) oder schnell ein verwischtes Gesicht nachzuschminken, einen Bart wieder festzukleben oder eine verrutschte Perücke zu richten.
Und nach der Aufführung ist wieder Tohuwabohu im Schminkraum angesagt, da die Spieler sich abschminken möchten und die wertvollen Perücken wieder abgenommen und in Sicherheit gebracht werden müssen.
Dann erst kann wieder Ordnung in das Reich der Maskenbildner-innen gebracht werden, die Schminkkästen, Pinsel und Puderquasten werden gereinigt, Haarnadeln einsortiert, zerzauste Perücken renoviert und Kleinrequisiten weggepackt.
Jetzt haben sich die Schminkdamen und -herren eine Erfrischung verdient, ein Fläschchen Sekt wird gerne angenommen – und die Stimmung bei mancher Schminkraum-Fete war schon legendär!